Un Superhéroe en casa – Ein Superheld zuhause

Die letzten zwei Wochen waren Osterferien. Dies bedeutet aber nicht, dass die Uni still stand. Während Sarah sich mit ihrer Schwester Nach Cancun abgeseilt hat, bin ich auf der Uni geblieben und hab gearbeitet. In der ersten Woche haben wir die Kinderbetreuung der letzten vier Tage vorbereitet. Wie ich später erfahren habe, gibt es hier jährlich ein Familien- und Eheseminar mit Graduation am Ende. Unser Auftrag war es, die Kinder in der Zeit zu betreuen und damit sie auch etwas nützliches machen, haben wir sie nicht einfach nur bespaßt, sondern auch Musik-, Kunst- und Englischunterricht gegeben. Außerdem hatten wir besondere Aktivitäten wie einen Spaziergang, Besuche des Gewächshauses, der Bäckerei (mit Keksebacken) und der kleinen Farm und außerdem hatten wir eine Rallye, in der es darum ging, so schnell wie möglich eine Wohnung aufzuräumen. Das alles stand unter dem Motto „Und Superhéroe en casa“ (ein Superheld zuhause). Ich wurde für den Musikunterricht eingeteilt, den ich zusammen mit einer älteren, erfahrenen Musiklehrerin halten durfte. Wir hatten jeden Tag unsere drei Gruppen (19 Kleinkinder im Alter von drei bis sieben, 19 Kinder im Alter von acht bis elf und 18 Jugendliche im Alter von zwölf bis 17), wir haben Spiele gespielt, etwas über die Instrumentenfamilien gelernt und jeweils ein Liedchen auf Englisch eingeübt (also praktisch fächerübergreifend). Das ganze war ein großer Berg Arbeit, hat mir aber super viel Spaß gemacht. Die Kinder waren auch superlieb und sehr interessiert daran, was ich über Deutschland zu erzählen hatte. Jedes Einzelne der 56 Kinder war ganz einzigartig aber trotzdem wundervoll auf seine Weise. Doch genug Text. Nun schicke ich noch einige Bilder hinterher, damit ihr euch das besser vorstellen könnt.

Der Spaziergang zur Entspannung am Mittwochmorgen
Der Besuch des Gewächshauses am Mittwochnachmittag. Danach haben die Kinder ihre eigene kleine Pflanze mitnehmen dürfen.
Als der Gärtner den Kindern etwas über die Pflanzen erzählt hat, waren die Kinder super aufmerksam.
Kunstunterricht mit Kleinkindern…
…und mit den Jugendlichen
Eines der Highlights: das Keksebacken in der Bäckerei. Die gab’s dann später zum Mitnehmen für die Kinder
Die Bäckerei hat mit weniger Kindern gerechnet…
Welches Team räumt am Besten und Schnellsten auf?
Sogar die ganz Kleinen packten mit an.
Gewonnen haben: Alle💪
Hinterher mussten sie dann noch ein kleines Kind für den Tag fertigmachen. Na, ob das Mädchen mit der interessanten Kleiderwahl wohl zufrieden ist?
Impressionen aus dem Englischunterricht
Und nun zu meinem Fach: Musik mit Bewegung
Auch die Mädchen machen mit!
Am nächsten Tag durften sie dann ganz praktisch die Geige und Bratsche ausprobieren.
Anahí sieht schon fast wie ein Profi aus
Das Kühemelken der Stadtkinder auf der Farm
Pferdereiten
Prinzessin Ari auf dem Weg in ihr Schloss
Schäfchen streicheln
Die wundervolle Prinzessin Gissel, die nur mit „Maestra Debora“ (Lehrerin Debora) essen und laufen und sowieso alles machen wollte.

Die Jugendlichen haben schon Vormittags in der Kirche gesungen. Man hört zwar nicht zu viel, aber ich kann euch sagen, dass sie den Kanon super hingekriegt haben! „Don’t build your house on the sandy-land, don’t build it too near the shore. Well, it might be kind of nice, but you’ll have to build it twice, oh, you’ll have to build your house ones more. So, better build your house upon a rock, make a good foundation on a solid spot. And the storms may come and go, but the peace of God you will know.“ (Bau nicht dein Haus auf dem losen Sand, bau nicht zu nah am Strand, es möchte zwar schön sein, aber du wirst es zwei mal bauen müssen, oh, du wirst dein Haus ein mal mehr bauen müssen. Besser bau dein Haus auf einem Fels, bau dein Fundament auf einem festen Grund. Und die Stürme mögen kommen und gehen, aber du wirst den Frieden Gottes spüren.)

Die Kinder singen: „In my father’s house are many mansions, many mansions in my father’s house. I go to prepare a place for you.“ (In dem Hause meines Vaters gibt es viele Wohnungen, viele Wohnungen in dem Hause meines Vaters. I gehe um einen Platz für dich vorzubereiten.“

Die Kleinkinder singen „With Father (Mother/Children/Jesus) in the Family, happy, happy home.“ (Mit Vater/Mutter/Kindern/Jesus in der Familie, fröhliches Zuhause). Habt einen schönen Sonntag!🌸

Ein ganz besonderer Tag

Gerade feiern wir in Linda Vista das 70-jährige Jubiläum von Colivi (=Colegio Linda Vista; dt. Schule Linda Vista). Wir hatten eine Woche voller Aktivitäten mit den Schülern und Studenten. Wir spielten Spiele, machten Rallyes, hatten geistigen Input und vieles mehr. Für das Wochenende sind dann ca. 150 ehemalige Schüler/Studenten und Angestellte angereist und es gibt Programm für diese. Wir hatten deshalb heute die Gottesdienste extra auf die Ehemaligen ausgerichtet. Es gab viele Erinnerungen, Musikbeiträge und Predigten. 

Während für die Ehemaligen der heutige Tag ganz im Zeichen des Jubiläums stand, war mein Tag heute gefüllt mit vielen tollen Gesprächen mit Freunden und Kindern! Leider begegnet man hier nicht vielen Kindern, aber das war heute anders. Im Gottesdienst hat ein einjähriges Mädchen auf mir herumgeturnt und mit mir gelacht und später kam dann noch ihre Schwester, der ich einen Zopf geflochten habe. Das Mädchen war fasziniert von meiner hellen Haut (, die im Übrigen gar nicht mal sonderlich hell ist) und, dass ich aus einem anderen Land komme und eine andere Sprache spreche. Sie war allerdings ebenso begeistert von meinen Spanischkünsten. Als sie dann schließlich ging, hat sie gesagt, dass wir unbedingt mal wieder zusammen spielen müssen.

Ein zuckersüßes Baby – Noemi♡
Ihre bildhübsche große Schwester

Nach dem zweiten Gottesdienst habe ich dann einen Freund getroffen, der heute Geburtstag hat und ihm mein Geschenk überreicht: Ein ganz besonderer „Erste-Hilfe-Koffer“, bei dem die kleine Bibel als „Medizin für die Seele“ das Highlight sein sollte. Er hat sich (ich zitiere Alwina und kann mir dabei total vorstellen, wie sie das sagt) „meeeeega“ gefreut, da nicht allzu viele Menschen an seinen Geburtstag gedacht haben. Nach einem sehr netten Gespräch haben wir uns dann getrennt. Später am Abend, als ich alleine im Arco saß, bekam ich Gesellschaft vom einem wundervollen jungen Mann. Er heißt Josue Benjamín („du kannst mich auch Joshua nennen, englisch kannst du ja besser!“), ist acht Jahre alt und jetzt schon ein Frauenschwarm. Kann ich aber auch verstehen, nachdem er mir gesagt hat, dass er es nicht sehen kann, wenn jemand alleine ist und deshalb zu mir kam, mir danach alles erzählt, was ihm in den Sinn gekommen ist und mich umarmt hat. Solche Leute sind ein Geschenk des Himmels und ich hoffe so sehr, dass er sich nie ändert. Später sind wir dann auf eine kleine Messe zu Ehren des Jubiläums gegangen, wo wir dann noch ein witziges Foto gemacht haben und ich ihm einen Muffin gekauft hab. Er hat sich dann mit Kuss und Umarmung von mir verabschiedet und gemeint, ich muss ihn ganz bald besuchen kommen.

Der kleine Josue Benjamín als Don Quijotes treuer Gefährte

So ging unser unerwartet wundervoller Tag zu Ende. Vielleicht kommt noch mal ein Blogeintrag direkt über das Jubiläum. Bis dahin, machts gut!

Szenen aus dem Schulalltag

Warnung: dieser Blogeintrag dient zu nichts weiter, als der allgemeinen Belustigung. Geschriebenes darf gerne mit Humor aufgefasst werden.

Wie, wir müssen englisch reden?

Welcher Lehrer kennt das nicht, man gibt den Schülern eine Aufgabe, wie zum Beispiel „Schreibe 5 Sätze darüber, wie man sich als Tourist in Mexiko verhält.“ und wird mit einem Schwall von Fragen konfrontiert: „Müssen wir das ins Heft schreiben?“ „Kann ich das auch zuhause machen?“ „Dürfen wir mit einem Partner arbeiten?“, aber nichts toppt die Frage: „Teacher, ¿en inglés o español?“ (=Lehrer, englisch oder spanisch?). Und obwohl meine Schüler meine Antwort kennen, wird natürlich jedes mal aufs neue gefragt. 

Hinweis: diese Szene betrifft sowohl siebte Klassen, Oberstufen-Klassen, als auch Uni-Klassen.

Teacher, ich muss mal

Seit einiger Zeit haben wir von oberster Instanz ein Verbot bekommen, unsere Schüler während des Unterrichts aufs Klo zu lassen. Das finden nicht nur die Schüler doof, sondern ich auch, weil ich somit immer Stunden diskutieren muss, anstatt die Schüler während dieser Zeit einfach aufs Klo gehen zu lassen. Allerdings ergeben sich hier häufig amüsante Szenen:

Enrique: „Teacher, darf ich aufs Klo?“

Ich: „Du weißt doch, dass es verboten ist.“

Enrique: „Aber ich muss mal, wirklich, Teacher, ich pinkel mir gleich in die Hose!“

Ich: „Ach was, das hältst du schon durch, sind nur noch 5 Minuten.“

Enrique: „Teacher, bitte!“

Stimme aus dem off: „Tja, nächstes Mal solltest du wohl ne Flasche mitbringen!“

Zweite Stimme aus dem off: „Teacher, wieso stellen wir nicht einen Eimer in die Ecke, schon ist das Problem gelöst!“

*die Schulglocke ertönt*

Enrique: „Mist, wir haben Mathe, wenn ich jetzt noch aufs Klo gehe, trägt mir der Lehrer ein ‚fehlt‘ ein!“

Stimme aus dem off: „Überleg dir das mit der Flasche noch mal, Bruder!“

Hallo!

Für alldiejenigen, die es bisher noch nicht mitbekommen habe, dass ich seit neuestem an Oberstufe Deutschunterricht gebe, anstatt Englisch- und all die, die es trotzdem witzig finden: Mittlerweile begrüßen mich so ziemlich alle Oberstufen-Schüler mit den Worten „Hallo! Wich gäts?“, selbst die 100, denen ich kein Deutschunterricht gebe, da plötzlich alle Deutsch lernen wollen! Außer natürlich die, die jetzt tatsächlich Deutsch lernen müssen, die sind nämlich die einzigen, die Deutsch so überhaupt nicht leiden können! Schon in der ersten Deutschstunde hieß es: „Wie?! Deutsch?! Aber, wir wollen doch gar kein Deutsch haben! Bring uns Latein bei, Teacher!“ Aber wenigstens habe ich Freude mit den 100 anderen Schülern!

Wir streiten gar nicht, wir reden nur nicht mehr miteinander!

Stell dir vor: du hast eine elfte Klasse, der du Deutsch beibringen sollst. Diese Klasse besteht aus zwei Schülern. Anfangs waren diese Schüler beste Freunde, aber irgendwann haben sie sich zerstritten. Mittlerweile steht immer ein Tisch als Sicherheitsabstand zwischen Andrea und Jafeth und auch, wenn ich ihnen ein Video auf meinem winzig kleinen Handy zeigen möchte, ist dieser Sicherheitsabstand unvermeidlich. 

Ich frag also in die Runde: „Na, habt ihr Stress?“

Jafeth: „Ja.“

Andrea: „Teacher, der ist einfach blöd! Alles war gut, alles! Und dann sitzt der sich eines morgens einfach ganz weit weg von mir, ans andere Ende der Klasse! Ist das zu glauben, Teacher? Ich mein, hallo, wir waren beste Freunde, aber er hat einfach ALLES kaputt gemacht!“

Nun gut, Ich – vollkommen unvorbereitet – versuche irgendwie, unter den Zweien zu vermitteln, damit der Unterricht einigermaßen vorangehen kann.

Nächste Stunde, Sicherheitsabstand größer geworden, Blickkontakte zwischen den Zweien seltener. Ich: „Na, immer noch am Streiten?“

Andrea: „Nö.“

Ich – stirnrunzelnd mit riesengroßem Fragezeichen im Gesicht: „Sicher? Also ich bin ja kein Psychologe, aber irgendwie sieht mir das doch nicht nach Frieden aus…“

Jafeth: „Ach, streiten tun wir nicht mehr Teacher, aber sie redet einfach nicht mehr mit mir. Da kann ich dann jetzt auch nicht mehr viel machen. Für mich ist die Sache geklärt.“

Andrea: „Für mich auch.“

– Andrea und Jafeth, 16, haben die Sache NICHT geklärt

Warum Englisch lernen sinnvoll ist

Hier weiß ja eigentlich niemand, warum er englisch lernen muss und viele hadern mit ihrem schweren Schicksal. Manche akzeptieren dies, manche rebellieren. So kommt es zu ungewollt komischen Aussagen und Szenen:

  • Spanisch ist wichtiger

Andrea: „Teacher, wir können nicht mal spanisch richtig, wozu sollen wir englisch lernen?“ (Wo sie recht hat, hat sie recht)

  • Spanisch scheint, leichter zu sein

Sami: „Eigentlich echt traurig. Ihr seid hier seit einem halben Jahr und könnt schon so gut spanisch, wir lernen Englisch schon seit Jahren und können nichts.“ (Weise Worte eines wundervollen jungen Mannes)

  • Endlosklausuren

Ich: „Und, wie war die Klausur?“

Sami: „Die hatte vier Seiten. Vier! Doppelseitig bedruckt! Der Lehrer spinnt doch!“

  • Klausuren mit Schreibteil

Ich: „So, und in der letzten Aufgabe schreibt ihr bitte 50 Wörter über eure Familie.“

Linda: „50?! Teacher, mein Englisch-Wortschatz beinhaltet nicht mal 50 Wörter!“

Texte am Ende (85%): „My family is nice (Meine Familie ist nett): My mother (Meine Mutter): Ingrid Heidi Perez Gonzales, 36, my father (Mein Vater): Hugo Emmanuel Gutierrez Molina, 40, my sister (Meine Schwester): Ana Laura Gutierrez Perez, 10, my sister Meine Schwester): Andy Paola Gutierrez Perez, 4. End (Ende)“ Kommentar dazu: Sorry Teacher, mehr fällt mir nicht ein.

Andere Texte (15%): My family is very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very very nice. (Damit haben Sie die 5 Punkte für die Wortanzahl sicher)

  • In der Theologieklasse

Salim: „Teacher, wozu brauchen wir als Pastoren bitte englisch?“

    Ich: „Also spätestens, wenn du den Kontinent verlässt, verstehen die Leute dein Spanisch nicht mehr und schon in anderen lateinamerikanischen Ländern ist das Spanisch echt anders.“

    Salim: „Wozu sollte ich Mexiko verlassen?“

    Ich: „Na ihr möchtet doch alle mal Missionare werden und die Weltbevölkerung retten? Was ist, wenn du auf Menschen triffst, die kein Spanisch können, sondern nur englisch?“

    Salim: „Und was ist, wenn die nur Hebräisch können und kein Englisch?“

    Ich: „Wer spricht denn bitte heutzutage noch Hebräisch?“

    Salim: „Die Juden!“

    Ich: „Die sprechen doch aber Neu-Hebräisch. Alt-Hebräisch ist eine tote Sprache!“

    Luis: „Stimmt gar nicht, der Pastor Segorbe spricht’s!“

    Ich: „Na, den braucht ihr aber, glaub ich, nicht mehr retten, der kann sich schon selber retten!“

    Salim, ganz pathetisch: „Teacher, weder wir, noch Pastor Segorbe können retten, retten tut allein der Herr, wir sind nur seine Werkzeuge!“

    Ich – vollkommen verwirrt und gleichzeitig fasziniert von der Tatsache, dass wir nun von einem Gespräch über Englisch zu einer Grundsatz-Diskussion übers Retten der Welt gekommen sind

    Teacher, wieso genau habe ich so eine schlechte Note 

    Verschiedene Schüler, dieselbe Frage: „Teacher, wieso habe ich so eine schlechte Note?“

    Ich: „Na ja, Hausaufgaben hast du keine gemacht, das Examen war jetzt nicht grandios, von den Tests will ich gar nicht anfa…“

    Schüler unterbricht: „Schon gut, Teacher, vergiss, dass ich gefragt habe.“

    Brayan, mein allerbester Freind

    Brayan ist ein Schüler von Sarah. Er ist ihr schwierigster Schüler, immer zu spät, nie Hausaufgaben, dafür immer einen „coolen“ Spruch auf Lager und öfter mal draußen beim Schwänzen oder auch beim Aus-Dem-Klassenzimmer-Geschickt-Werden anzutreffen. Mir macht es allerdings großen Spaß, seine „coolen“ Sprüche mit noch „cooleren“ zu toppen und das vor jeder Deutschklasse mit Andrea und Jafeth, da er in der selben Klasse ist.

    • Die Hausaufgaben-Problematik

    Ich: „Na der Herr, mal wieder zu spät für die Klasse? Och, das ist ja schön, dass du Hausaufgaben machst. Noch schöner wäre es allerdings, wenn du die Hausaufgaben nicht in den fünf Minuten machst, die du dafür zu spät in die Klasse kommst…“

    Brayan: „Teacher, bitte, erzähls nicht Sarah, ok?

    Ich: „Du weißt doch, dass ich mit ihr zusammen wohne, wie soll ich das auch nicht erzählen?“

    Brayan: „Och Teacher, kannst du dich nicht einmal zusammenreißen?“

    Ich: „Sorry, Brayan, ich bin ne Frau, ich kann sowas nicht…“

    Nach der Unterrichtsstunde, ich treffe Brayan auf dem Rückweg. Er, vollkommen arrogant: „Teacher, rate mal, wer heute einen AMCO-Dollar für seine Hausaufgaben gekriegt hat.“

    Ich: „Und ich werds Sarah wohl erzählen.“

    Brayan: „Teacher, was?! Bitte, das kannst du mir nicht antun! Sei doch nicht so.“

    Ich: „Sorry, Freundchen, aber allein aufgrund deiner Arroganz kann ich gar nicht anders.“

    Brayan, am Verzweifeln: „Teacher!“

    • Anderer Tag, gleicher Freind

    Brayan: „Ich liebe dich!“ (Ja, auf deutsch!)

    Ich: „Ah ja, weißt du überhaupt was das bedeutet?“

    Brayan: „Aber klar! Kannst du das bitte Beccy ausrichten, dass ich sie liebe und sie vermisse (die vorige Freiwillige, auch Lehrerin)“

    Ich: „Aber klar doch, da freut sie sich bestimmt toooootal drüber!“

    Brayan: „Ach, weißt du, eigentlich kann ichs auch selber machen, ich hab ja ihre Nummer, mach dir kein Stress, Teacher!“

    Verliebte Theologen

    Ich: „Sag mal, Luis, was ist gerade eigentlich mit dir los? Du warst mal mein bester Schüler, aber du hast echt abgebaut.“

    Salim: „Teacher, das nennt man Liebe!“

    Ich: „Bitte was?“

    Salim: „Na der ist verliebt! Der hat gerade keine Zeit für Englisch, der muss gerade viel mit seiner Freundin machen!“

    Ich: „Sagst du Salim, der Englisch schwänzt, um deine Freundin zu sehen!“

    Salim: „Teacher, das ist gemein! Bist du denn auch verliebt? Hast du dir eigentlich schon mal überlegt, ’siema‘ (Pastoren-Frau, hier eine Art, eigener Beruf, der sogar einen eigenen Namen hat) zu werden?

    Ich: „Ja, will ich nicht.“

    Salim: „Aber Teacher! Jetzt hast du Jeremy’s Herz gebrochen!“

    (Kleine Info am Rande: Geremias alias Jeremy sitzt in meiner Theologieklasse direkt neben Salim und kuck ihn verständnislos und verwirrt an.)

    Jeremy: „Ich hab ne Freundin, du Idiot!“

    Beziehungen, das am häufigsten besprochene Thema in meiner Klasse

    • Die Stunde darauf, das Thema des Tages sind Babys

    Ich: „So, wir reden über Babys, das gibt eine Note. James, magst du Babys? Warum?“

    James: „Ne. Die stinken.“

    Ich: „Mario.“

    Mario: „Die haben immer volle Windeln.“

    Ich: „Kelvin, nenne mir etwas positives über Babys.“

    Kelvin: „Die schreien und sind laut.“

    Ich: „Luis, kannst du mir vielleicht etwas nettes über Babys sagen?“

    Luis: „Ne Teacher, echt nicht.“

    Ich: „Salim?“

    Salim: „Deine Frau ist endlich nicht mehr fett.“

    Ich: „Also, mögt ihr keine Babys?“

    Alle: „Ne.“

    Ich: „Und wenn eure Frauen mal ein Kind wollen?“

    Salim: „Dann müssen sie sich selbst drum kümmern. Ich fass das Ding nicht an.“

    Meine Theologen, von Hauptberuf Gentlemen

    und zum Schluss noch ein paar Bildchen aus dem Schulalltag, wenn auch nicht direkt zu den Geschehnissen passend:

    Der verwunschene Baum aus Sarahs Klassenzimmer
    Die English-Academy
    Ich beim Korrigieren
    Englischlehrer Linda Vistas vereint
    Academia de idiomas (Akademie der Sprachen)

    Interclubes 2017

    Vor einigen Wochen hatten wir unser erstes richtiges Pfadfinderlager: Interclubes 2017. Dort haben sich die Pfadfindergruppen unserer Uni mit den Pfadfindergruppen eines „Ablegers“ von uns zusammengetroffen. Wir wurden in verschiedene Farben eingeteilt und haben das ganze Wochenende gegeneinander gespielt. Ich war am Anfang Bestandteil der Gruppe „weiß“, habe aber bald zu den himmelblauen gewechselt und habe meine Entscheidung nie bereut. Wir haben Geländespiele gespielt, zusammen gelacht und geweint, kleine Theaterstücke gespielt, tolle Gottesdienste mit wundervollen Impulsen gehabt (auch wenn nach dem Wochenende auf harten Holzstühlen mein Rücken erst einmal rebelliert hat), gutes Essen bekommen, neue Freunde kennengelernt, alte Freundschaften vertieft, uns im Matsch gewälzt (das ist doch noch mal ein anderes Kaliber als in Deutschland) und einfach viel Spaß zusammen gehabt.

    Am Donnerstag-Mittag ging’s los. Pünktlich 2 Stunden zu spät ist jede Farbe in ihren persönlichen Van gestiegen und Richtung „Trinidad“ gefahren, ein Camp mitten in der Wildnis Chiapas‘. Dort gab es die Zimmeraufteilung, bei denen zu meinem erstaunen 15-20 Personen in ein Zimmer verfrachtet wurden. In den Zimmer wusste ich dann, warum. In jedem Zimmer standen 7 dreistöckige Betten, zwischen den Betten jeweils ca. einen halben Meter Platz. Es gab zwei Toiletten und zwei Duschen pro Zimmer, sodass die Schlange, gerade zu den Stoßzeiten riesengroß war, jedoch haben wir uns alle sehr gut arrangiert, sodass tatsächlich jeder mal zum Duschen gekommen ist.

    Morgens wurden wir um 5 Uhr aus den Betten gerufen (das Programm sollte um 7 anfangen), weil die Jungs dies wohl ganz witzig fanden… ziemlich unausgeschlafen ging es dann zur Morgenpredigt und danach frühstücken. Hierbei kann ich gleich mal ein ganz großes Lob an das Küchenteam aussprechen, das Essen war nämlich äußerst lecker!

    Jeden Tag um 9.30 Uhr gab es eine äußerst penible Zimmerkontrolle und ich bin seit dem so froh, nicht im „Dormitorio“ (Schlafsaal) wohnen zu müssen, da ich erfahren habe, dass das dort jeden Tag so gemacht wird! Am ersten Tag haben wir nette 80 von 100 Punkten bekommen, nach dieser Niederlage mussten wir aber natürlich aufrüsten!

    Mein persönliches Highlight war das Rennen der Maskottchen. Jeweils drei Teams haben gegeneinander gespielt. Man musste sich sein Maskottchen-Kostüm anziehen und dann verschiedene Disziplinen erledigen, was durchaus lustig war!

    Außerdem habe ich die erste Mannequin-Challenge meines Lebens mitgemacht.

    Die Verabschiedung war wie immer natürlich traurig, dabei sind aber noch ganz viele tolle Fotos entstanden:

    Das muss Liebe zu seiner Farbe sein!
    Sonne, Mond und Sterne…
    Und so sind die Kunstwerke entstanden!
    #Sabbathselfie
    Ein paar wundervolle neue Freunde
    Müde aber glückliche blaue Krieger
    „Intercambio de colores“ (Austausch der Farben)
    Die bunte Abschlussveranstaltung
    Die ganze Fülle der Teilnehmer.
    Die müde Fahrt

    Ach übrigens: Wir sind mit „himmelblau“ mit 10 Punkten Unterschied zum dritten Platz ganz knapp auf dem vierten gelandet!

    Veränderungen oder auch Wenn alles anders klappt

    Nach unserem wundervollen Urlaub, über den ihr gerne in Sarahs Blog nachlesen könnt und einem superwitzigen Zwischenseminar haben bei uns seit einer Woche die Klassen wieder begonnen. Mit einem großen Schrecken mussten wir uns schon davor völlig unerwartet von unserer wundervollen Chefin Milka verabschieden, da diese äußerst kurzfristig zu ihrer Familie in den Norden Mexikos gezogen ist. Wer neuer Chef wird, war einige Zeit nicht klar, aber jetzt ist klar, dass unsere neue Chefin Waleska heißt, die auch schon davor mit uns in der Akademie gearbeitet hat. Wir hatten ziemlich Angst davor, aber bisher macht sie ihren Job erstaunlich gut!

    Doch nicht nur unsere Chefin hat sich geändert, auch in meinen Klassen blieb fast nichts wie es war. Ich gebe jetzt keinen Englischunterricht an Klassen 10, 11 und 12 mehr sondern dafür Deutschunterricht an diese Altersstufe. Als ich erfahren habe, dass ich meine Highschool-Klassen verliere, war ich erst mal sehe traurig, aber mittlerweile freue ich mich auf die Chance, meine eigene Sprache vermitteln zu können, auch wenn ich meine ehemaligen Schüler total vermisse!

    Die ersten deutschen Wörtern meiner neuen Schüler

    Auch meine Uni-Klasse hat sich drastisch verkleinert. Im letzten Semester habe ich Englischunterricht an Theologie- und Ernährungswissenschaftsstudenten gegeben, dieses Semester gebe ich aber nur noch Unterricht an meine sechs Theologen, was eigentlich eine echt schöne Atmosphäre ist, aber gleichzeitig schwierig wird, wenn welche fehlen. 

    Nur meine siebte Klasse ist beinahe so geblieben, wie sie war, abgesehen davon, dass eine meiner Schülerinnen mit ihrer Familie umgezogen ist.
    Vor ca. einer Woche habe ich übrigens Post von Deutschland gekriegt. Danke lieber Basti für das wundervolle Paket!

    Die Mexikaner fahren alle total auf „Lebbkujnn“ ab!
    Nach dem Strandausflug bin ich jetzt fast ganz mexikanisch
    Unsere neue Freundin, die uns auch diese wundervollen Blumen geschenkt hat!
    Abendessen mit Freunden und Schülern

    Kleinigkeiten, die die Welt bedeuten

    Zuerst einmal entschuldigt mich bitte, dass ich so lange keinen Blogeintrag mehr gepostet habe. Hier ist in letzter Zeit einfach so viel passiert und die Realität ist nun mal wichtiger, als die virtuelle Welt. Ich könnte echt viel erzählen an diesem sehr regnerischen Morgen, an dem ich ziemlich unerwartet Zeit habe, etwas zu schreiben. Allerdings habe ich mich nun für diesen Blogeintrag entschieden, der mir sehr am Herzen liegt.

    Mittlerweile haben wir hier in Linda Vista einfach total tolle und wahre Freunde gefunden. Da gäbe es den Putzjungen in der English-Academy und seinen Freund. Das sind definitiv die höflichsten und liebenswürdigsten Jungen in ganz Linda Vista. Der Putzjunge Toño hat uns noch bis vor wenigen Wochen gesiezt, obwohl wir ihm einige Male angedeutet haben, dass wir doch jetzt Freunde sind und man Freunde nicht siezt. Eines Tages hat er doch dann tatsächlich „du“ gesagt – das war eine Überraschung! Er und sein Freund David kamen in der letzten Schulzeit fast täglich abends in die Academy, um Zeit mit uns zu verbringen. In diesen Abendstunden sind Tafelgemälde entstanden, wir haben zusammen gesungen, natürlich vieeeel geredet und auch kleinere Englisch- und Tzotzileinheiten gemacht.

    Darf ich vorstellen: die coolste Sprache der Welt, noch vor spanisch – Tzotzil – ein Dialekt aus Chiapas.
    David, Toño, Sarah und ich
    Diese kleine Botschaft wurde uns ganz heimlich zugesteckt: „Schönen Abend, ich hab euch sehr lieb.“ mit einer kleinen Schoki dran
    Auch wenn ihr dieses Tafelbild nicht verstehen werden, hat es eine große Bedeutung für mich, sodass ich es nicht auslassen kann!
    Zur Verabschiedung in die Weihnachtsferien haben wir noch einen kleinen Ausflug ins Dorf zum Eisessen gemacht. Wir werden die zwei vermissen!

    Die nächsten, von denen ich erzählen werde, sind Luis, Marco und Carlos. Luis war schon öfter Bestandteil meiner Blogeinträge, weil er einfach schon seit Beginn einer unserer besten Freunde ist. Sein Bruder Marco ist zwar sehr schüchtern, aber ein herzensguter Mensch. Und Carlos. Naja, er kam plötzlich und ging nie wieder. Eines Abends kurz nachdem wir Carlos kennen gelernt haben, haben die drei Jungs uns gebeten, mit ihnen Abendessen zu gehen, was wir dann natürlich gemacht haben. Als wir das Comedor verlassen haben, hat Carlos ganz geheimnisvoll irgendeine riesen große Box mir sich rum geschleppt, die – wie wir später erfahren haben – für uns war! Darin waren ein paar Kekspackungen und Briefchen – komplett auf englisch! Wenn man bedenkt, dass Carlos kein Wort englisch kann, muss den Jungs das viel Kraft gekostet haben!

    Bevor wir Luis und Marco in die Ferien verabschiedet haben, mussten wir natürlich noch ein letztes Foto vor dem Weihnachtsbaum der Uni machen. Von links nach rechts: Carlos, Sarah, Luis, ich und der Vater von Luis und Marco.
    Und noch ein Foto mit dem lieben Marco in der Mitte

    Bevor Luis nach Hause gefahren ist, haben wir beide noch ein kleines Geschenk bekommen. Sarah ein Fotoalbum, um ihre Lieblingsfotos aus Mexiko aufzubewahren und ich diese wunderschöne Krawatte. Laut Luis soll ich üben, Krawatten zu binden und da ich diese Krawatte einfach nur hammermäßig fande, hat er sie mir geschenkt!

    Den Leo haben wir dann auch noch in die Ferien verabschiedet, aber natürlich nicht ohne ordentliche Gesichtsbemalung (was man auf dem folgenden Foto allerdings nicht sehen kann). Mit ihm haben wir in der letzten Zeit viel zu wenig gemacht, aber wenn, war es immer sehr spaßig  („Let it go“ auf französisch in der English-Academy singen, fangen durch den halben Campus spielen etc.)

    Im nächsten Jahr werden wir auf jeden Fall wieder mehr machen!

    Eines schönen Sonntags vor ein paar Wochen haben wir mit der wundervollen Judith einen Ausflug in einen nahegelegenen Park namens „Siempre verde“ (immer grün) gemacht. Die liebe Judith ist zuckersüß und hat uns sogar für Weihnachten zu sich nach Hause eingeladen!

    Selfieeeee
    Definitiv eine interessante Perspektive und außerdem die einzige Möglichkeit, auf der Brücke ein Foto von uns dreien zusammen zu bekommen!
    Die Rutsche ist definitiv mehr abgegangen, wie sie aussieht

    Ein bisschen Spaß muss sein

    Eine Sache, die mich sehr traurig gemacht hat, muss ich allerdings auch noch erwähnen: Mir wurde beim letzten Lehrermeeting mitgeteilt, dass ich meine heißgeliebten Highschool-Klassen an den neuen Freiwilligen abgeben muss und ich dafür zwei Deutschkurse bekomme. Das hat mein Herz gebrochen, doch es war schön zu sehen, wie auch meine Schüler um ihre Lehrerin geweint haben! Einer meiner Schüler hat mir auf facebook geschrieben, dass er mich vermissen wird und ich seine Lieblingsenglischlehrerin war. Genau dieser Schüler hat mich dann zum Ende auch noch umarmt. Ein anderer Schüler hat mir einen Abschiedsgruß auf seinem Examen hinterlassen und gemeint, es würde ihm das Herz brechen (wenigstens ist mein Herz nicht das einzigste, das zerbrochen ist). Von meiner 11. Klasse kam auch eine süße Schülerin, die mich auch noch unbedingt umarmen wollte.

    „Ich werde Sie vermissen. Wir vertrauen in Gott“
    Ein letztes Abschluss-Selfie mit der tollsten 11. Klasse der Welt.

    Als Trost für meine verlorenen Klassen habe ich jedoch Besuch bekommen von ein paar ganz besonders süßen Gestalten aber seht selbst:

    Wir haben auch Hundebabies auf der Uni, von denen ich eines auf dem Arm halten durfte. Außerdem habe ich bei einem Spaziergang noch ein etwas größeres gefunden, was gar nicht mehr gehen wollte.

    Die erschöpfte Mama mit ihren 12 Welpen
    So ein süßes, flauschiges Ding😍

    Ganz am Ende, bevor alle in die Ferien gefahren sind, wurden wir sehr kurzfristig sogar auf eine Verabschiedung einer Braut eingeladen, die vor ein paar Tagen geheiratet hat. Neben sehr gutem Essen gab es auch äußerst amüsante Spiele. Kaum zu glauben, dass die ganzen Leute Lehrer sind!

    Mein Name für den Tag: Meisterin/Lehrerin des Desasters
    Mir wurde innerhalb von 5 Minuten ein Brautkleid gestaltet. Leider hat unser Team nicht gewonnen, wobei ich supercool aussehe!

    So, jetzt habe ich euch aber genug erzählt und außerdem tun meine Finger vom ganzen Schreiben schon weh!

    Hoffentlich lasse ich mir dieses Mal nicht so viel Zeit bis zum nächsten Blogeintrag…

    Nie wie geplant, aber immer wunderschön

    Kennt ihr Tage, an denen nichts läuft wie geplant? Tage, die man sich ganz anders vorgestellt hat? Tage, die dann aber trotzdem wunderschön sind? Gestern war ein solcher Tag. Gestern lief nichts wie geplant. Gestern habe ich mir ganz anders vorgestellt. Gestern war trotzdem wunderschön.

    Als wir frühmorgens aufgewacht sind, wollten wir gar nicht aus dem Bett steigen. Schon die ganze Nacht lang hat es durchgeregnet und es sah nicht nach Besserung aus. Da wir aber Klassen hatten, mussten wir uns natürlich aus dem Bett quälen. Warm eingepackt ging es dann mit Schultasche, Laptop und Regenschirm (der zugegebenermaßen nicht sonderlich viel gebracht hat) auf die lange Reise zur English-Academy. Fünf Minuten später kamen wir plitschnass an unserem Arbeitsplatz an und haben noch letzte Vorbereitungen für die Klassen getroffen.

    Um Punkt fünf vor 11, also 10 Minuten zu spät waren dann tatsächlich ein Paar Schüler in meiner Klasse (und zwar wirklich nur ein Paar, wo die anderen angeblichen sind, habe ich bisher noch nicht erforschen können). Ich habe mein erstaunlich gutes Quiz (mit einem Schnitt von 9.4 von 10!) ausgeteilt und dazu Kuchen als Überraschung für das gute Quiz. Nach einer halben Stunde Unterricht und nebenher mit einem Schüler über die Quiznote diskutieren („Ja, Groß- und Kleinschreibung ist wichtig und nein, du bist nicht der einzige, der das falsch gemacht hat!“) war die erste Unterrichtsstunde auch schon vorbei. Der Schüler hat mir abends dann auf facebook geschrieben, dass er das Quiz-Trauma jetzt überstanden hat und hat sich für seine unangemessene Reaktion entschuldigt. Ich muss noch erwähnen, dass einer meiner schlechten, dafür ganz besonders goldigen Schüler sich so doll über seine 10 gefreut hat, dass er das Quiz kurzerhand neben die Plakate an die Wand gehängt hat. Solche Momente sind es, in denen ich meinen Beruf liebe!

    Am Nachmittag hätten wir dann unsere Theologie-/Nutrtionsklasse gehabt. Hätten gehabt. Denn als wir in die Academy kamen und auf unsere Schüler gewartet haben, hat sich langsam aber sicher herauskristallisiert, dass wir heute nicht allzu viele Schüler haben werden. Sarah hatte einen Schüler, ich null. Nachdem meine Chefin sich auf die Suche nach den verschollenen Schülern machte und ihre Klasse dann ohne Lehrer war, bin ich einfach in den Klassenraum gestiefelte und hab gefragt, ob ich ihnen denn helfen konnte. Und das konnte ich. Zu aller erst habe ich einen Text vorgelesen und die Schüler haben ihn nachgesprochen. Einer hat es sogar aufgenommen, damit er es sich immer und immer wieder anhören kann (die Vorstellung, dass sich einer gerne meine äußerst penetrante Stimme anhört, ist echt ein wenig gruselig, aber es gibt ja einige besondere Neigungen auf der Welt…). Später wollten die Schüler dann die Uhr noch mal erklärt bekommen. Nachdem ich wunderschöne ovale Kreise mit Uhrzeigern an die Tafel gemalt habe und die Schüler die Uhrzeit sagen mussten, durften sie am Ende noch einen Terminplan schreiben. Wir haben die Stunde mit einem Weihnachtslied auf englisch beendet. Ich muss sagen, dass ich diese Stunde sehr genossen habe. Es war wahrscheinlich eine meiner schönsten Stunden, was teilweise an der supersüßen Klasse, teilweise an der Tatsache, dass ich gerade total unvorbereitet eine wundervolle Stunde gehalten habe, lag. Ein wenig Stolz und mit frischem Mut ging es dann zum Abendessen und hinterher zur Deutschklasse.

    Eigentlich. Denn auch die lief nicht ganz so geplant. Ich hatte nämlich, wie schon befürchtet, auch hier keine Schüler, sodass Sarah und ich erst einmal ein paar Minuten Galgenmännchen gespielt haben, bis wir dann beschlossen haben, nach Hause zu gehen, es würde ja doch niemand kommen. Doch, zu früh gefreut. Gerade am zusammenpacken hören wir ein fröhliches, gut bekanntes Pfeifen: unser Putzjunge der English-Academy! Mit unserem Toño haben wir schon die ein oder andere lustige Situation erlebt, wie zum Beispiel letzte Woche an seinem Geburtstag. Wir haben ihn mit einem kleinen Cupcake überrascht, über den er sich wirklich sehr gefreut hat. Dann haben wir ihm kurzerhand den Besen aus der Hand genommen und selber geputzt, er hatte schließlich Geburtstag! Zwar sah es nicht so schön aus, wie wenn er selber geputzt hätte, dafür hatte er aber einen freien Abend. Seit einigen Tagen wird er fast immer von einem anderen sehr netten Mexikaner namens David begleitet. Wenn diese zwei dann in der Academy aufkreuzen und wir keine Klassen haben, gibt’s dann kurzerhand eine Lektion englisch für sie. Wir haben sichtlich Spaß daran, weil die wirklich echt gerne englisch lernen. Gestern haben wir dann angeknüpft an den Nachmittags-Unterricht und auch die Uhrzeit gelernt. Die zwei haben das erstaunlich schnell gekonnt, sodass wir dann sogar noch Tiere, Farben und ähnliche Dinge gelernt haben. Zu unserer Freude haben wir von dem lieben David noch selbstgemachte Tostadas geschenkt bekommen, die seine Mutter uns gemacht hat.

    Nach der Klasse wurden wir dann von den zwei Gentlemen zu unserem „Schloss“ begleitet und das war’s dann auch schon wieder mit unserem Tag. Nie wie geplant, aber immer wunderschön!

    So sehen dann in etwa unsere kurzfristig abgehaltenen Abendklassen aus (auch wenn das Bild nicht von gestern ist)